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Pressespiegel
Aesthetic Tribune, Oktober 2005
Fachartikel von Dr. Ramin Khorram, Herzog Karl Klinik Stuttgart
Wenn Männern Brüste wachsen
So wird die Brust wieder flach und männlich
Eine weiblich erscheinende Brust bedeutet für viele Patienten eine starke
psychische Belastung. Häufig handelt es sich um sehr körperbewußte Männer, die
unter dem Makel leiden. Bei der unechten Gynäkomastie mit der reinen
Fettansammlung stellt meistens die Fettabsaugung die Methode der Wahl dar. Echte
Gynäkomastien sollten durch eine operative Drüsenausschälung behandelt werden.
Bei ausgeprägten Befunden der Gynäkomastie und Lipomastie sowie bei
Erschlaffungen bietet die Plastische Chirurgie verschiedene Reduktionsplastiken.
Die ein- oder doppelseitige Vergrößerung der männlichen Brustdrüse wird als
Gynäkomastie bezeichnet. Aufgrund einer transplazentaren Passage von Östrogen
ist bei über 60 Prozent der Neugeborenen eine Brustdrüsenvergrößerung
nachweisbar. In der Pubertät schwellen bei ca. 50-60 Prozent der Jungen meist
vorrübergehend die Brustdrüsen an. Diese Pupertätsmakromastie, ebenfalls häufig
als Gynäkomastie bezeichnet, bildet sich spontan innerhalb ein bis zwei Jahre
wieder zurück. Laut Mitteilungen treten in der erwachsenen Normalpopulation ca.
30 Prozent meist geringere Befunde auf, im Senium bei über 60% überwiegend
Pseudogynäkomastien (Lipomastie).
Bei der unechten Gynäkomastie im Rahmen einer Adipositas handelt es sich um eine
Fettansammlung, die zu der Erscheinung einer Brustvergrößerung führt. Bei der
echten Gynäkomastie ist dagegen das Brustdrüsengewebe vergrößert. Mischformen
sind möglich. Gynäkomastien gehen nicht selten mit Schmerzen und
Spannungsgefühlen einher.
Ursache der Brustdrüsenvergrößerung ist das Verhältnis der Östrogene zu den
Androgenen: überwiegt die Östrogenwirkung, wächst das Drüsengewebe. Es kann eine
gesteigerte Ansprechbarkeit der Hormonrezeptoren der Brüstdrüse auf weibliche
Geschlechtshormone oder deren Stimulation durch gonadotrope Hormone vorliegen.
Eine Gynäkomastie kann auch Symptom von systemischen Erkrankungen sein. Dies
gilt es bei der Diagnostik zu berücksichtigen. Die Anamnese gibt Hinweise auf
eine mögliche Medikamenten-induzierte Brustveränderung (siehe Tabelle). Bei der
Anwendung von Östrogen-haltigen Haarwassern wurden Gynäkomastien beschrieben.
Zudem kann der Konsum von Alkohol, Heroin, Marihuana ebenfalls eine Gynäkomastie
verursachen.
Wann sollte operiert werden?
Aufgrund der Assoziation einer Gynäkomastie mit Hodentumoren ist eine
Vorstellung beim Urologen sinnvoll. Das Vorliegen eines Nebennierentumors oder
eines Hypophysenadenom sollten ebenfalls erwogen werden. Insbesondere bei
einseitigen Brustdrüsenvergrößerungen ist auch ein Mammakarzinom auszuschließen.
Eine sonographische Kontrolle und eine zusätzliche Röntgenuntersuchung empfehlen
sich insbesondere bei verhärteten und knotigen Tastbefunden.
Die endokrinologische Labordiagnostik umfasst Testosteron, Östradiol, LH, FSH,
HCGH). Zusätzlich sollten Leberwerte, Nierenwerte, sowie bei Verdacht
Tumormarker bestimmt und eine Chromosomenanalyse veranlasst werden. In 50% der
Fälle wird keine Ursache für die Brustveränderung gefunden (idiopathische
Gynäkomastie).
Primär muss nach der ausführlichen Anamnese und der individuellen Diagnostik die
kausale Therapie angestrebt werden. Ursächliche Allgemeinerkrankungen müssen
konsequent behandelt sowie auslösende Medikamente abgesetzt oder ersetzt werden.
Eine medikamentöse Behandlung ist in der proliferativen noch nicht
fibrosierenden Phase mittels Antiöstrogene (Tamoxifen oder Clomiphen) möglich.
Danazol als Anti-Östrogen und schwaches Androgen kann ebenfalls das
Brustwachstum hemmen und eine Schmerzhaftigkeit reduzieren. Bei einem endokrinen
Hypogonadismus kann die Substitutionstherapie mit Testosteron erfolgen.
Die operative Behandlung der Gynäkomastie kann erforderlich werden, wenn der
Patient über Schmerzhaftigkeit geklagt, eine deutliche Knotenbildung vorliegt
oder ein psychischer Leidensdruck aufgrund der verweiblichten Brust besteht. Die
Pflegeprobleme und Entzündungsneigungen der Haut, die bei Makromastien oder
Erschlaffungen bestehen können, geben ebenfalls Anlass zu einer operativen
Therapie. Bei der Pubertätsgynäkomastie ist eine abwartende Beobachtung zu
empfehlen, da eine Spontanregressionen wahrscheinlich ist.
Die chirurgische Therapie der männlichen Brust sollte den Fachärzten für
Plastische Chirurgie vorbehalten sein. Nur im Rahmen der sechsjährigen
Facharztausbildung der Plastischen Chirurgie werden alle Aspekte der
Weichteilchirurgie und alle Techniken der Brustoperation differenziert
vermittelt.
Bei der unechten Gynäkomastie mit der reinen Fettansammlung stellt die
Fettabsaugung die Methode der Wahl dar, wenn keine deutlichen Erschlaffungen
vorliegen. Durchgeführt wird der Eingriff entweder in Lokalanästhesie oder in
Vollnarkose. Zur besseren Absaugfähigkeit sollte eine Infiltration des Gewebes
erfolgen. Über zwei kaum sichtbare Stichinzisionen in der Submmamarfalte und
ggf. zusätzlich einer Inzision nahe der Axilla wird das "aufgeweichte" Fett
abgesaugt.
Periareoläre Fältelung verschwindet
Bei erschlaffter Haut muss eine Bruststraffung in Betracht gezogen werden. Ein
zweizeitiges Vorgehen bei einer eventuellen Straffung ist sinnvoll, da nach
einer Absaugung ein gewisser Straffungseffekt eintritt und die Retraktion über
mindestens sechs Monate abgewartet werden sollte.
Falls eine Erschlaffung vorhanden ist, ermöglicht die Plastische Chirurgie
verschiedene Techniken der Straffung. Bei gering bis mäßig gradigen
Erschlaffungen bietet die sogenannte periareoläre Sraffung gute Ergebnisse mit
unauffälligen Narben. Hierbei wird ein ringförmiges Hautareal um den Warzenhof
oberflächlich entfernt, wobei auch der häufig vergrößerte Warzenhof ebenfalls
verkleinert werden kann. Da der Durchmesser des äußeren Wundrandes deutlich
größer ist als der Warzenhofwundrand, ist eine Naht nur unter einer starken
Fältelung des äußeren Wundrandes um den Warzenhof möglich. Die Wundnaht erfolgt
mehrschichtig. Eine nicht resorbierbare versenkte Tabaksbeutelnaht des äußeren
Wundrandes sichert ein langanhaltendes Straffungsergebnis ohne
Narbenverbreiterung. Bei richtiger Indikationsstellung und Technik verschwindet
die anfänglich verwirrende und unschöne periareoläre Fältelung spätestens binnen
drei Monaten.
Kostenträger immer restriktiver
Stärkere Erschlaffungen oder massive Lipomastien, die mit weiblichen Brüsten
vergleichbar sind, erfordern umfangreichere Reduktionsplastiken. Hierbei kommen
zur Resektion von überschüssigen Gewebeanteilen Techniken zur Anwendung, die
narbenreicher sind. Neben einer Narbe um den Warzenhof entsteht zumindest eine
weitere Narbe vom unteren Brustwarzenhofpol zur Brustumschlagfalte oder eine
querverlaufende Narbe in Höhe der Areola. Eventuell ist zur effektiven Straffung
eine weitere Narbe entlang der Brustumschlagfalte erforderlich, sodass eine
Narbe in Form eines umgekehrten "T" resultiert. Bei massiven Makromastien kann
auch zur Korrektur eine Reduktionsplastik mit freier Mamillentransplantation
erforderlich sein.
Eine echte Gynäkomastie fühlt sich häufig deutlich derb an und kann schmerzhaft
sein. Eine möglichst komplette Resektion des auffälligen Gewebes ist
anzustreben. Die Absaugtechnik kann dies nicht sicher gewährleisten. Zudem ist
die histologische Gewebeuntersuchung ist durch die Absaugtechnik erschwert. Eine
komplette Gewebeentfernung im Sinne einer sukcutanen Mastektomie gelingt
meistens sehr gut durch einen halbkreisförmigen Schnitt entlang des unteren
Warzenhofpols. Die Operation kann sowohl in Lokalanästhesie als auch in Narkose
durchgeführt werden. Eine Infiltration des Gewebes erleichtert die Präparation.
Aus kosmetischer Sicht ist es wichtig, hinter der Areola eine Gewebeschicht von
mindestens 0,7 cm Dicke zu belassen, um ein eingesunkenes Erscheinen dieser
Region zu vermeiden. In der restlichen Präparationszone sollte eine Fettschicht
von ca. der Dicke der Subkutanschicht der oberen Oberbauchregion belassen
werden. Eine zusätzliche Liposuktion der Präparationsrandzonen optimiert das
kosmetische Ergebnis. Häufig verläuft das Liposuktionsausmaß entlang des
seitlichenThorax sowie in Richtung der Axillae und der Schultern. Zur
Warzenhofverkleinerung und zur Straffung bei mäßigen Erschlaffungen lässt sich
diese subkutane Ausschälung der Brustdrüse gut mit der oben beschriebenen
periareolären Straffung in einer Sitzung kombinieren. Bei massiven
Gynäkomastiebefunden kommen die oben erwähnten Reduktionstechniken zur
Anwendung.
Die Grenze zwischen medizinischer und kosmetisch-operativen
Behandlungsindikation ist häufig nicht eindeutig. Die Entscheidungen der
Kostenträger bezüglich der Übernahme von Behandlungskosten sind manchmal nicht
nachvollziehbar. Die Sparmaßnahmen des Gesundheitssystems lassen die
Kostenübernahme einer operativen Behandlung zunehmend restriktiv erscheinen.
Abbildungen
Fall 1: ästhetische Indikation bei Lipomastie, 3 Wochen nach Liposuktion von
Brust, Bauch und Hüften
Fall 2: medizinische Indikation bei dolenter fibröser Gynäkomastie, 2 Wochen
nach Drüsenextirpation durch einen periareolären Schnitt und kombinierter
Liposuktion der Brustumgebung (die zentrale Markierung stellt das
Extirpationsareal dar)
Ursachen einer Brustvergrößerung beim Mann
Physiologisch:
Pubertät
Senium
Familiär
Idiopathisch
Drogen:
Alkohol
Opioide
Marihuana
Systemische Erkrankungen:
Adipositas
Niereninsuffizienz
Hypothyreose
Hyperthyreose
Lebererkrankungen
Nebennierentumore
Hypophsentumore
Andere Ursachen
Hermaphrodismus
Klinefelter Syndrom
Hodentumor
Z.n. Orchiektomie
Z.n. Hodenbestrahlung
Medikamente
Amphetamine
H2-Blocker
Digitalis
Haldol
Isoniazid
Methyldopa
Phenothiazine
Reserpin
Spirinolacton
Triziklische Antipressiva
Ketokonazol
Anabolika
Östrogenhaltige Haarwasser
Autor:
Dr. med. Ramin Khorram
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Herzog Karl Klinik Stuttgart
Spezialklinik für Plastisch-Ästhetische Chirurgie und Lasermedizin
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